Erfahre, wie du bei Schmerzen im unteren Rücken, die mit einem Bandscheibenvorfall in Verbindung gebracht werden, durch gezielte Übungen Linderung finden kannst.

Schmerzen im unteren Rücken, die möglicherweise bis in die Beine ausstrahlen oder mit Kribbeln verbunden sind, können sehr belastend sein. Häufig werden solche Beschwerden mit einem Bandscheibenvorfall in Verbindung gebracht.
Diese Seite beleuchtet mögliche Zusammenhänge zwischen Bandscheibenvorfällen und Rückenschmerzen und zeigt dir Ansätze sowie Übungen, die dazu beitragen können, dein Wohlbefinden im unteren Rücken zu verbessern.
Ein Bandscheibenvorfall, auch Protrusion oder Prolaps genannt, entsteht, wenn die Bandscheibe Risse bekommt, die bis zur Außenhülle reichen. Dies kann zu einer Wölbung oder einem Austritt von Bandscheibenmaterial führen, das dann auf einen Nerv drücken kann. Wenn ein Nerv betroffen ist, kann dies zu Schmerzen führen, die der Nerv an das zentrale Nervensystem meldet.
Typische Symptome, die mit solchen Nervenirritationen in Verbindung gebracht werden, sind Schmerzen im unteren Rücken, die manchmal bis in die Beine ausstrahlen können und von Kribbeln begleitet sein können.
Es wird angenommen, dass nur ein kleiner Teil der Rückenschmerzen direkt von der Bandscheibe oder einem Bandscheibenvorfall herrührt. Ein großer Teil der Bandscheibenvorfälle kann konservativ behandelt werden. Wenn ein Nerv durch eine Bandscheibenwölbung oder einen Vorfall irritiert wird, sendet er ein Alarmsignal an das zentrale Nervensystem. Dieses reagiert häufig, indem es die Muskulatur im betroffenen Bereich anspannt, was zu Verspannungen im gesamten unteren Rücken und in den Faszien führen kann, und so Schmerzen verstärkt.
Der Ansatz zur Linderung der Beschwerden konzentriert sich darauf, diesen Prozess umzukehren. Zunächst kann versucht werden, das zentrale Nervensystem zu beruhigen, um die dauerhafte Anspannung der Muskulatur zu reduzieren. Im zweiten Schritt liegt der Fokus darauf, den gesamten verspannten Bereich zu entspannen und der Bandscheibe wieder "Raum zum Atmen" zu geben. Abschließend kann der Bereich gekräftigt werden, um zukünftigen Problemen vorzubeugen und die Stabilität zu verbessern.
Um die Beschwerden im unteren Rücken zu lindern, kann ein regelmäßiges und konsequentes Vorgehen hilfreich sein. Die Übungen zielen darauf ab, das Nervensystem zu beruhigen, verspannte Bereiche zu lockern und die Muskulatur zu stärken. Es ist wichtig, dabei stets auf den eigenen Körper zu hören und Bewegungen zu vermeiden, die Schmerzen auslösen oder verstärken.
Beginne sanft und steigere die Intensität nur, wenn du dich dabei wohlfühlst und keine Schmerzen auftreten. Regelmäßigkeit kann entscheidend sein, um langfristige Verbesserungen zu erzielen.
Kreise deine Zunge lange und ausführlich im Mund. Dies kann dazu beitragen, Stress vom zentralen Nervensystem zu nehmen. Führe diese Bewegung für etwa 2 bis 3 Minuten durch.

Lege deine Finger seitlich hinter die Ohren, dort, wo der Vagusnerv austritt. Beginne dann, hörbar laut zu summen. Schließe dabei gerne die Augen. Probiere diese Übung für 2 bis 4 Minuten aus, um ein entspannteres Gefühl zu fördern.

Setze dich aufrecht hin oder gehe in die Kindeshaltung auf dem Boden. Im Sitzen rundest du dich nach hinten, ziehst ein Knie hoch und atmest tief ein, wobei du versuchst, den hinteren Bereich auszudehnen. Beim Ausatmen wirst du wieder richtig rund. Eine Variante ist, ein Bein nach oben zu nehmen und dich dann nach hinten zu runden, um sanften Druck auf den Bereich zu geben, wo Nerven oft durch die Gesäßmuskulatur gequetscht werden können. Mache diese Atemübungen mehrmals täglich.

Befestige ein Super Band (oder Theraband) sicher auf Kniehöhe, z.B. an einem Geländer oder Heizungsrohr. Steige mit dem Fuß von oben in das Band, kreuze es und lege es über das Sprunggelenk. Gehe dann auf den Boden und sorge für ordentlich Zug auf das Band. Lege etwas unter die Wade (z.B. eine Blackroll), um das Bein zu entlasten. Lasse das Bein locker und bewege es allmählich Richtung Wand, atme dabei aus und ziehe es dann wieder leicht an. Lasse den Zug wirken, drehe das Bein in der Hüfte nach innen und außen. Halte dies für 3 bis 5 Minuten.

Drücke mit deinen Fingern leicht in den Bereich oberhalb deines Beckenkamms. Oft ist dieser Bereich bei Bandscheibenvorfällen verspannt. Gib ruhig etwas Druck darauf und massiere ihn leicht, um das System zu lockern und den Druck vom unteren Rücken zu nehmen.

Lege dich auf die Seite. Das obere Bein ist locker und entspannt. Lasse das Bein nach unten gleiten und ziehe es dann wieder leicht an. Unterstütze die Bewegung mit deiner Hand, indem du nach unten schiebst und wieder leicht anziehst. Atme dabei aus, wenn du locker lässt, und ziehe das Bein wieder an. Wiederhole dies eine Weile, um das System zu entspannen.

Gehe in die Seitenlage. Winkle das untere Bein etwa 90 Grad an und lege es flach ab. Hebe das obere Bein an und beginne, es heranzuziehen, als ob du einen Fußball kicken möchtest. Bewege dabei den Fuß so weit wie möglich in die Richtung und das Knie nach oben. Dann strecke das Bein, drehe die große Fußzehe nach unten und schiebe das Bein richtig raus. Diese Bewegung führt das Hüftgelenk komplett durch und kräftigt den Bereich. Dabei können auch die schrägen und tiefliegenden Bauchmuskeln sanft arbeiten.

Winkele den unteren Arm an und stütze dich ab. Atme ein und komme beim Ausatmen leicht nach oben, dann wieder nach unten. Je nachdem, wie es sich anfühlt, kannst du mit dem Ellenbogen mehr mithelfen. Wenn es gut geht, gehe mit dem Arm weiter hoch und arbeite in kleinen Bewegungen aus der Muskulatur. Du solltest die Arbeit in der Muskulatur spüren.

Um das zentrale Nervensystem zu beruhigen, kannst du Übungen wie das Kreisen der Zunge im Mund oder das Summen mit den Daumen hinter den Ohren ausprobieren. Diese Techniken können dazu beitragen, Stress zu reduzieren und das System zu entspannen.
Eine bewusste Atmung kann helfen, den Bereich um die Bandscheibe zu entspannen und "Luft zum Atmen" zu geben. Tiefes Einatmen und Ausatmen, insbesondere in Positionen wie der Kindeshaltung oder im Sitzen mit gerundetem Rücken, kann dazu beitragen, den hinteren Bereich auszudehnen und das System zu beruhigen.
Um Raum im unteren Rücken zu schaffen, kann das Anwenden von Zug hilfreich sein. Eine Methode ist die Verwendung eines Super Bandes am Sprunggelenk, um eine sanfte Traktion zu erzeugen. Dies kann dazu beitragen, den Bereich zu entlasten und Entspannung zu fördern.
Mit Kräftigungsübungen kann begonnen werden, sobald der akute Schmerz nachgelassen hat und die Bewegungen schmerzfrei möglich sind. Es ist wichtig, niemals in den Schmerz hinein zu trainieren und auf das eigene Körpergefühl zu achten.
